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Foto von Curtis Adams
Ökologische Wandfarbe: Lohnt sich das?
19. Februar 2026Das Thema Gesundheit und Nachhaltigkeit spielt in unserem Alltag eine immer größere Rolle – und das zu Recht. Wir verbringen einen Großteil unserer Zeit in geschlossenen Räumen, und die Luftqualität dort ist entscheidend für unser Wohlbefinden. Wenn Sie Ihre Wände streichen möchten, stehen Sie schnell vor der Frage: Ist ökologische Wandfarbe (oft auch Öko Farbe oder Bio Wandfarbe genannt) wirklich besser als herkömmliche Dispersionsfarbe?
Als erfahrener Malermeisterbetrieb beschäftigen wir uns täglich mit den besten Materialien für Ihr Zuhause. In diesem umfassenden Leitfaden nehmen wir die gesunde Wandfarben genau unter die Lupe, klären Begrifflichkeiten und zeigen Ihnen, warum Öko Farbe die Investition wert ist.
Was steckt in (herkömmlicher) Farbe?
Um die Vorteile von ökologischer Wandfarbe zu verstehen, müssen wir uns kurz ansehen, was in konventionellen Farben steckt.
Hersteller verwenden in Standard-Dispersionsfarben oft Inhaltsstoffe, die zwar die Haltbarkeit und Verarbeitbarkeit verbessern, aber gesundheitlich bedenklich sein können.
Lösemittel
Lösemittel (oder Lösungsmittel) sind chemische Substanzen, die in konventionellen Farben verwendet werden, um die Farbe während der Lagerung und Verarbeitung flüssig zu halten, ihre Konsistenz zu optimieren und die Trocknungszeit zu steuern. Beim Trocknen der Farbe verdunsten diese Lösemittel in die Raumluft. Man spricht dabei von Flüchtigen Organischen Verbindungen (VOCs). Diese gasförmigen Stoffe können noch lange nach dem Streichen in der Raumluft nachweisbar sein (sogenanntes "Ausgasen").
Langfristig können hohe oder chronische Belastungen die Atemwege und das zentrale Nervensystem beeinträchtigen. Daher sind VOC-arme oder VOC-freie Öko Farben die erste Wahl für alle, die Wert auf gesunde Wandfarben legen.
Weichmacher (Phthalate)
Weichmacher werden hauptsächlich eingesetzt, um die Farbschicht nach der Trocknung elastisch zu machen. Das verhindert, dass die Farbe bei Temperaturschwankungen oder leichten Bewegungen des Untergrundes reißt oder abplatzt.
Viele konventionelle Weichmacher, insbesondere bestimmte Phthalate, sind nicht fest in der Farbschicht gebunden. Sie können im Laufe der Zeit in die Raumluft oder an Oberflächen migrieren (auswandern) und sich dort als Staub ablagern. Sie stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen, weshalb sie in ökologischen Farben eher vermieden werden.
Konservierungsmittel
Konservierungsmittel bzw. Biozide spielen eine essenzielle Rolle, um die Farbe vor Verkeimung zu schützen, während sie im Eimer lagert. Da die meisten Farben wasserbasiert sind, bieten sie Bakterien und Pilzen einen idealen Nährboden.
Eine der häufigsten Gruppen von Konservierungsmitteln sind die Isothiazolinone (z.B. MIT, BIT). Sie sind hochwirksam, gelten aber als starke Kontaktallergene. Besonders sensible Personen (Allergiker, Kinder) können selbst auf kleinste Mengen, die aus der getrockneten Farbe in die Raumluft abgegeben werden, mit Haut- oder Atemwegsreaktionen reagieren.
Bindemittel
Bindemittel sind das „Gerüst“ der Farbe. Sie umhüllen die Pigmente und sorgen dafür, dass die Farbschicht fest am Untergrund haftet und stabil ist.
In den gängigen Dispersionsfarben bestehen die Bindemittel oft aus synthetischen Kunstharzen (wie Acrylat- oder Vinylacetat-Copolymerisaten), die aus Erdöl gewonnen werden.
Diese Kunstharzbindemittel bilden eine dichte, kunststoffartige Filmschicht auf der Wand. Dadurch verringern sie die Diffusionsoffenheit der Wand. Dies kann in feuchteempfindlichen Räumen die Schimmelbildung begünstigen. Ökologische Wandfarbe hingegen nutzt mineralische oder natürliche Bindemittel, die die Atmungsaktivität der Wände erhalten.
Was zeichnet ökologische Wandfarbe aus?
Der Begriff Öko-Farbe ist nicht gesetzlich geschützt. Wer wirklich ökologische Wandfarbe möchte, muss also auf Zertifikate und die detaillierten Inhaltsstoffangaben achten. Generell zeichnen sich ökologische Wandfarbe oder Bio-Wandfarben durch folgende Merkmale aus:
Schadstofffreiheit und geringe Emissionen
Gesunde Wandfarben sind stark reduziert oder komplett frei von den problematischen Stoffen, die wir gerade genannt haben.
Öko-Farben verzichten weitestgehend auf chemische Lösungsmittel (VOC). Das minimiert die Freisetzung von Gasen in die Raumluft, sowohl während des Streichens als auch danach.
Viele Bio Wandfarben kommen außerdem ohne allergieauslösende Konservierungsmittel aus. Das ist ein Vorteil für Allergiker, Kinder und alle, die Wert auf ein reines Raumklima legen.
Natürliche Inhaltsstoffe und Rohstoffe
Anstelle von synthetischen Kunstharzen setzen Hersteller von ökologischer Wandfarbe auf natürliche, nachwachsende Rohstoffe.
| Konventionelle Rohstoffe | Ökologische Alternativen |
| Synthetische Bindemittel (Acrylate, Vinylacetat) | Natürliche Bindemittel: Kalk, Leim (Pflanzenstärke), Ton, Leinöl |
| Chemische Farbpigmente | Mineralische Pigmente: Erden, Gesteinsmehle, natürliche Oxidpigmente |
| Lösemittel (VOCs) | Wasser, ätherische Öle, natürliche Alkohole |
Beispiele für Bio Wandfarben:
- Kalkfarbe: Besteht hauptsächlich aus gelöschtem Kalk. Sie ist hoch atmungsaktiv und hat durch ihren alkalischen pH-Wert eine natürliche pilz- und schimmelhemmende Wirkung. Ideal für feuchte Räume oder Altbauten.
- Lehmfarbe: Setzt auf Ton oder Lehm als Bindemittel. Sie ist extrem diffusionsoffen und trägt aktiv zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit bei. Sie ist die umweltfreundlichste Wahl.
- Naturharzdispersionsfarbe: Eine gute Alternative zu konventioneller Dispersionsfarbe, da die Bindemittel hier aus Naturharzen (wie Öl oder Kautschuk) stammen und meist wasserbasiert sind.
Öko-Siegel und ihre Bedeutungen
Da der Begriff Öko-Farbe Marketing-Spielraum lässt, müssen Sie als Verbraucher auf unabhängige Gütesiegel achten. Diese Siegel sind hilfreiche Indikatoren für Qualität und gesundheitliche Unbedenklichkeit.
Blauer Engel (RAL UZ 102)
Der blaue Engel ist eine der bekanntesten Kennzeichnungen. Farben mit dem Umweltzeichen “Blauer Engel” halten strenge Grenzwerte für den Einsatz flüchtiger organischer Stoffe ein. Sie sind frei von Bioziden, Blei und gesundheitsgefährdenden Weichmachern sowie von giftigen oder krebserzeugenden Stoffen.
Natureplus
Das Natureplus-Umweltzeichen bescheinigt die Einhaltung von Qualitätsnormen nach ISO 14024. Die spezifischen Anforderungen sind unter http://www.natureplus.org/ öffentlich einsehbar. Unter anderem geht es dabei um Nachhaltigkeit, eine saubere und effiziente Produktion und den Schutz von Gesundheit und Umwelt.
TÜV-Siegel (z.B. "TÜV Rheinland - Schadstoff geprüft")
Verschiedene TÜV-Siegel bestätigen die Einhaltung von Grenzwerten für Schadstoffen in Farben und Lacken.
Tipp: Lassen Sie sich nicht von Begriffen wie "atmungsaktiv" oder "lösemittelfrei" allein blenden. Schauen Sie immer nach einem offiziellen Siegel.
Lohnt sich die Investition in ökologische Wandfarbe?
Oftmals sind Bio-Wandfarben in der Anschaffung etwas teurer als ihre synthetischen Pendants. Nicht für alle lohnt sich die Investition, wenn Ihnen die Punkte einfach nicht priorisiert wichtig sind. Die folgenden Vorteile sind die häufigsten Argumente für die Wahl von ökologischen Farben:
Einfluss aufs Raumklima
Die Fähigkeit von Kalk- und Lehmfarben, die Luftfeuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben (Diffusionsoffenheit), ist unschlagbar.
- Feuchtigkeitsregulierung: Während herkömmliche Dispersionsfarben oft eine dichte, kunststoffartige Schicht bilden (vergleichbar mit einer Regenjacke), lassen ökologische Wandfarben die Wände "atmen".
- Schimmelprävention: Gerade in Bad, Küche oder schlecht gelüfteten Räumen hilft Kalkfarbe, da der hohe pH-Wert das Wachstum von Schimmelsporen hemmt.
Verarbeitungsunterschiede
Ein wichtiger Punkt, den Heimwerker oft unterschätzen: Die Verarbeitung von Öko-Farbe erfordert spezifisches Fachwissen. Natürliche Farben verhalten sich anders auf dem Untergrund. Sie ziehen oft stärker ein, was die korrekte Grundierung umso wichtiger macht.
Kalk- und Lehmfarben erfordern eine spezielle Auftragetechnik, um ein gleichmäßiges, streifenfreies Ergebnis zu erzielen. Dies ist nichts für den ungeübten Laien.
Ein Öko-Wandfarbe-Test im Selbstversuch kann schnell in Frustration enden, wenn das Ergebnis fleckig oder ungleichmäßig wird. Hier zahlt sich die Expertise des Malermeisters aus.
Unser Fazit
Die Antwort auf die Frage, ob sich ökologische Wandfarbe lohnt, hängt ganz klar von Ihren Prioritäten ab.
Öko-Farben unterstützen:
- Ihre Gesundheit und die Ihrer Familie durch die Reduzierung von Allergenen und Schadstoffen
- Ein gutes Raumklima durch natürliche Feuchtigkeitsregulierung
- Nachhaltigkeit durch die Nutzung nachwachsender Rohstoffe.
Öko-Farbe ist damit nicht nur ein Trend, sondern eine bewusste Entscheidung für ein gesundes und nachhaltiges Wohnen.
Sie möchten Ihr Zuhause mit Bio-Wandfarben gestalten, aber das Risiko von Verarbeitungsfehlern vermeiden? Vertrauen Sie auf unser Fachwissen.
Wir beraten Sie gerne umfassend zu den passenden Kalk-, Lehm- oder Naturharzfarben für Ihr Projekt und garantieren Ihnen ein makelloses, gesundes und langlebiges Ergebnis.
Kontaktieren Sie uns einfach für Ihre Farbberatung. Wir freuen uns darauf, Ihr Projekt mit nachhaltigen Farben zu realisieren!
